SCHIMPFWORT Es war nie eine besondere Auszeichnung, eine Feministin zu sein, meint die Sozialwissenschaftlerin Gisela Notz. Obwohl der Feminismus unser Denken und die Entwicklung der Gesellschaft nachhaltig beeinflusste
Waltraud Schwab: Frau Notz, im angelsächsischen Raum fing es an. Anstatt von Feminismus wurde plötzlich vom “F-Wort” gesprochen. Beunruhigt Sie das, da man ja weiß, dass bis dato eher das Wort “fuck” als F-Wort galt?
Gisela Notz: Ich finde es positiv, dass junge Frauen keine Scheu mehr vor dem Wort Feminismus haben.
Aber das haben sie doch, wenn sie statt des Wortes “Feminismus” nun das “F-Wort” sagen.
Bloß weil das F-Wort für fuck steht? Ich sehe das nicht so.
Fuck Feminism – haben Sie das im Laufe Ihres bald siebzigjährigen Lebens nie gedacht?
Es war nie eine Auszeichnung, Feministin zu sein, aber ich habe mich immer dazu bekannt. Bis vor Kurzem haben sich junge Frauen geschüttelt bei der Vorstellung, Feministin genannt zu werden. Für sie waren Feministinnen meiner Generation nur Jammertanten, die immer noch Diskriminierung sehen, wo sie doch sicher waren, dass sie alles werden und alles sein können, was sie wollen. Es sieht so aus, als wäre diese Euphorie jetzt vorbei, aber Feministinnen wollen sie immer noch nicht sein.
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